EU-„Schicksals-Gipfel“

Vergangene Woche hat in Brüssel wieder einmal ein „Schicksalsgipfel“ der Staats- und Regierungschefs der EU stattgefunden. Kein Wunder, nimmt doch die Schuldenkrise in der Eurozone immer bedrohlichere Ausmaße an, ist doch die Gemeinschaftswährung auf den internationalen Finanzmärkten längst zu einem Spekulationsobjekt geworden, und der Zerfall der europäischen Währungsunion oder eine Hyperinflation kann nicht mehr ausgeschlossen werden.

Was nun die Ergebnisse des Brüsseler Gipfels betrifft, so werden mit Sicherheit bald weitere „Schicksalsgipfel“ folgen. Spätestens dann, wenn die nächste Tranche an Griechenland ansteht – welch hoffnungsloser Fall Athen ist, bestätigt mittlerweile auch ein Bericht der OECD – oder wenn Italien im Februar 2012 Anleihen in dreistelliger Milliardenhöhe zurückzahlen und deshalb neue Kredite aufnehmen muß. Spätestens dann wird sich bitter rächen, daß vergangene Woche keine Maßnahmen zur Belebung der Realwirtschaft beschlossen und daß nur Absichtserklärungen abgegeben wurden, die am Grundproblem der Eurokrise nichts ändern können. Zwar ist es löblich, wenn Bekenntnisse zum Sparen abgegeben werden, jedoch werden diese nichts nützen, wenn in der Währungsunion weiterhin Staaten unabhängig ihrer Wirtschaftsmoral und ihrer volkswirtschaftlichen Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit zusammengefaßt bleiben. Darüber hinaus ist fraglich, ob die nationalen Parlamente, wie von den Staats- und Regierungschefs beabsichtigt, die Gipfelbeschlüsse einfach durchwinken werden.
Aber noch eines hat sich in Brüssel gezeigt: Im politischen Leben der Europäischen geben weniger die Europäische Kommission oder das Europäische Parlament den Ton an, sondern die Regierungen der Mitgliedstaaten. Und hier spielen die großen EU-Staaten, insbesondere das deutsch-französische Duo, die erste Geige. Schließlich hatten Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und die deutsche Kanzlerin Angela Merkel im Voraus im vertraulichen Kreis paktiert, was dann von den meisten ihrer Kollegen in der belgischen Hauptstadt dann abgesegnet wurde.

Widerstand gegen „Merkozy“ kam insbesondere von Großbritannien und Ungarn, wobei der Kurs den Briten-Premiers David Cameron zwiespältig zu beurteilen ist. So hat London den Willen bewiesen, auch weiterhin seine nationalen Interessen kompromißlos zu vertreten, was zweifelsohne positiv ist. Allerdings war das „Nein“ Camerons bedauerlicherweise auch auf die Einflüsterungen aus der Londoner City, dem größten Finanzplatz Europas, zurückzuführen, womit sich Großbritannien einmal mehr als Erfüllungsgehilfe des internationalen Finanzkapitals erweist.
Insgesamt werden auf uns auch weiterhin stürmische Zeiten zukommen. Aber mehr noch: Weil die EU nicht in der Lage ist, die die Eurokrise an ihrer Wurzel zu packen und die Währungsunion zu teilen, wird Europa bald seinen Abschied von der Weltbühne nehmen und in die zweite oder dritte Liga absteigen müssen. Und damit wird es erst recht ins Fadenkreuz von Ratingagenturen und Spekulanten geraten

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5 Responses to EU-„Schicksals-Gipfel“

  1. Der Bub sagt:

    Ich bin überzeugt davon, dass es nun soweit ist: Die Fiskalunion ist fix! Folglich werden wir, ob es uns passt oder nicht, tatsächlich nur mehr von der Wirtschaft regiert. Nicht dass dem nicht schon länger so sei, aber wenn die Politik nicht bald ein Umdenken beginnt, wird das für uns alle fatal enden …

  2. Britta sagt:

    Was helfen alle Analysen, wenn die Politiker gegen ihre eigene Bevölkerung regieren. Irgendwann wird sich die Frage stellen, rette sich wer retten kann und die Gretchenfrage wird sein, wer denn noch gerettet werden kann, so viel Geld kann die EZB gar nicht drucken, wie gebraucht wird. Das dabei die Bevölkerung arm wird ist eine klare Folge. Je schneller arm, je geringer das Wohlbefinden, desto rasanter stirbt man. Das hat sich die Bevölkerung nicht verdient, aber wer die Augen vor der Wahrheit und der Realität verschliesst, der wird es früher oder später am eigenen Leib erfahren.

  3. Bergfried sagt:

    @Bendolf Junker

    Der Euro hat das Vertrauen der Deutschen zu ihrer Währung schwer erschütt

    Trotz aller von Regierungsseite angeordneten Manipulationen wurde der Euro von gut 75% der
    Deutschen nicht als „ihre“ Währung angesehen.

    Zu Recht, wie jeder mittlerweile weiss.

    Doch was müssen wir hören und lesen?
    Gestern
    im ard ,bei hart aber fair ………
    haben fast alle Merkel ……gelobt ………
    sie hätte es nicht besser machen können !!!!!
    früher wäre sie als span(f)merkel gegrillt worden !!!!!!

    Kommentar von „heika“. Nun, „Hart aber fair“ trägt diesen Namen zu Unrecht.
    Es ist eine Weichspüler-Sendung im Sinne des angeordneten Zeitgeistes.

    Merkel und ihr Vasalle Schäuble sind laut Interpretation des Grundgesetzes Hochverräter.

    Durch ihre ständigen Verstöße von Gesetze, in Deutschland und im „EU“-Bereich, kann
    und muss sie aus juristisch Sicht als Schwer- Kriminelle eingestuft werden.
    Etliche Anzeigen gegen ihre Person wurden vom Gericht abgewiesen….im Gegensatz
    zu den USA, wo Anzeigen gegen den Präsidenten durchaus verfolgt werden. Als
    Beispiel möge hier die Bill Clinton-Affäre gelten….

    Dann kommt da so eine affektierte Sendung: Hart aber fair…..
    und hat lauter Pro-Merkel Statisten eingeladen.
    Was anderes war nicht erlaubt.

    Währenddessen schreiben und klagen die Wirtschaftsexperten, hochgradige
    Professoren und Koryphäen im Finanzbereich, gegen Merkel und ihre „EURO“ und „EU“-Politik.

    Darüber wurde kein Wort, kein ernstes Wort, gesprochen.

    Als ob diese internationalen Wirtschaftsweisen kleine Schulkinder wären, die nicht wissen über
    was sie reden.

    Erbärmlich nennen wir das.

    Europa braucht keinen Euro. Europa braucht keine Zentralregierung.
    Vor diesem ganzen in Brüche geflogenen Szenario gab es auch ein Europa.
    Ein gut funktionierendes Euro ohne Staatspleiten mit glückliche Menschen in Griechenland,
    Spanien, Irland und Italien und……..in unserer Heimat Deutschland.

    Doch das Volk muss aufstehen. Raus aus den gekauften Gewerkschaften und eigene Verbände gründen
    oder sich bereits existierenden anschließen.
    All das ist ist möglich.
    Es liegt an jedem selber den bereits kämpfenden Aktivisten wie Beatrix von Storch, Schachtschneider,
    Hankel und v.a. zu helfen.

    http://www.dr-hankel.de/

    http://www.kaschachtschneider.de/

    http://www.parteidervernunft.de/

    http://www.zivilekoalition.de

    http://www.freiewelt.net

    http://deutschelobby.com

  4. Markus Fischer sagt:

    Mir imponiert bei Ihrer Analyse, dass sie auf die wirtschaftlichen Aspekte eingehen, welche doch ursächlich für die gegenwärtige Verschuldungskrise sind. Griechenland, Portugal, Italien und andere Mitglieder der Eurozone werden mit dem einheitlichen Euro nur sehr schwer wirtschaftlich auf die Beine kommen. Wenn jetzt noch eine Rezession in Europa bevorsteht, wird diese das Leistungsvermögen aller zusätzlich beeinträchtigen und somit die Euro-Krise weiter verschärfen. Umso wichtiger wären wirtschaftliche Impulse, nur darüber wird kaum gesprochen, geschweige denn etwas getan.

  5. Bloody Mary sagt:

    Wählt niemanden, der in der EU bleiben will. Von 1945 bis 1995 ging es in Österreich ,ohne diese vermaledeite E(ntsorgungsanstalt Unfähiger!!!) stetig bergauf.Habe es selber erlebt. Seitdem geht es bergab. Wer etwas anderes erzählt, wie z.B. der Autor hier, ist ein Lügner. :mrgreen:

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