Der Breivik in uns

Mord ist durch nichts zu rechtfertigen. Nicht durch Rassenhaß und nicht durch Klassenkampf. Beides hat bekanntlich im 20. Jahrhundert zu massenhaften Mordhandlungen geführt, in den Konzentrationslagern und im Archipel Gulag.

Wenn man aber heute mit der Gnade der späten Geburt in moralischer Empörung über die Verbrechen der totalitären Ideologien des 20. Jahrhunderts spricht, sollte man nicht vorschnell glauben, daß all dies unter anderen Umständen nicht auch heute möglich wäre. Rudolf Augstein, der legendäre Spiegel-Gründer hat vor langen Jahren in einer Betrachtung über die beiden Großverbrecher Stalin und Hitler darauf hingewiesen, daß „der Mensch an sich ein Kriegsverbrecher“ sei, also potentiell zu derlei Taten fähig wäre. Und zwar jeder Mensch unter den entsprechenden Umständen.

Gegenwärtig beginnt das Verfahren gegen den 70- oder 80-fachen Mörder Breivik in Norwegen. Und in Deutschland ist man schockiert über das Bekanntwerden einer nahezu dutzendfachen Mordserie an türkischen Zuwanderern aus dem vergangenen Jahrzehnt. Geradezu reflexhaft werden beide verbrecherische Wahnsinnstaten in den Verantwortungsbereich der „rechtsextremen Szene“ geschoben. Und natürlich können das politische Establishment, die Gutmenschen-Szene und linke Medien der Versuchung nicht widerstehen, in diesem Zusammenhang die ach so bösen Rechtspopulisten quer durch Europa an den Pranger zu stellen. Die norwegische Fortschrittspartei, die dänische Volkspartei, die Schwedendemokraten, der Vlaams Belang und wie sie alle heißen, sie seien für Breiviks Massenmord verantwortlich und natürlich jede deutsche rechte Splitterpartei von Pro Köln bis zur NPD, von den Republikanern bis zu Deutschen Volksunion. Sie seien verantwortlich für das Mord-Trio aus Zwickau. Daß man nach der selben Logik alle linken Parteien von der Sozialdemokratie bis zu den Grünen für die Morde der Bader-Meinhof-Bande verantwortlich machen müsse und den Islam insgesamt für 9-11, tut in der gegenwärtig medial aufheizten Stimmung nichts zur Sache.

Die Frage, warum und auf welche Weise durchschnittliche junge Menschen zu ideologisch motivierten, in diesem Falle wohl rechtsextremistisch motivierten, werden können, wird dadurch allerdings verdeckt. Die Frage, wie wir den Breivik in uns bekämpfen, wie wir die grundsätzlich einmal allen Menschen innewohnende Neigung zu Vorurteil, Ablehnung und Haß im Zaum halten, wird gar nicht überlegt. Das Phänomen, wonach man „dem Anderen“, dem vermeintlichen „Gegner“ im eigenen Denken das Menschsein abspricht, weswegen man ihn dann auch meint wie einen Hund abknallen, ermorden zu können, wird gar nicht diskutiert. Wirklicher Ausländerhaß impliziert dieses Phänomen mit Sicherheit, möglicherweise aber auch der gegenwärtig wieder so heftig propagierte „Kampf gegen Rechts“. Alle Menschen sind eben potentielle Kriegsverbrecher – Rudolf Augstein schau herunter – und auf den Breivik in uns müßten wir vielleicht alle aufpassen.

Eine Antwort zu Der Breivik in uns

  1. Bloody Mary sagt:

    Die deutschen Regierenden sind ja auf dem Holzweg, wenn sie meinen, mit dem Verbot der NDP sei es getan.Die Leute, die eine Rechtspartei wählen, die also „national“ und nicht „multikulti“ gestrickt sind, werden deswegen ja nicht weniger. Sie werden auf die Gründung einer neuen Rechtspartei warten. Angeblich setzen sie ihre Hoffnung auf Guttenberg. 😀

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