Unsere Sorgen möchte‘ ich haben…

Nun wird also unsere Bundeshymne „gegendert“. „Heimat bist du großer Töchter, Söhne, Volk begnadet für das Schöne“ wird es also künftig heißen. Und die Debatte darüber war den Medien zufolge brisant und hoch emotional. Weibliche Abgeordnete – no na – von ÖVP, SPÖ und den Grünen haben den Antrag eingebracht, nahezu jeder etablierte Wortspender hat sich dazu geäußert und die Debatte hat die erste Woche des politischen Sommerlochs absolut dominiert.

Dass gleichzeitig die europäische Staatsschuldenkrise aus dem Ruder läuft, dass nach der evidenten Griechenland-Pleite Irland ins Desaster taumelt und nunmehr Italien ins Visier der Ratingagenturen und der Spekulanten geraten ist, scheint hierzulande kaum jemanden aufzuregen. Dass damit nicht nur die Zukunft der Einheitswährung Euro, sondern schlicht und einfach das Schicksal der europäischen Integration auf der Kippe steht, ist offenbar zweitrangig. Hauptsache der Pseudo-Feminismus irgendwelcher mäßig wichtiger Polit-Tanten feiert Triumphe.

Dabei ist unsere Bundeshymne ohnedies so eine eigene Sache: Die Musik Mozarts, „die kleine Freimaurerkantate“, sollte möglicherweise schon ein Signal sein, als man sie damals wählte. Und Schöpfer des Textes war – blöd für die Pseudo-Feministinnen – Paula von Preradovic, also eine Frau, der man Chauvinismus wohl nicht vorwerfen kann. Nach der Kaiserhymne „Gott erhalte…“, der Kernstockhymne, dem Deutschlandlied, gepaart mit Horst Wessels unseligen Versen, dann also unsere nunmehr umoperierte – pardon „gegenderte“ – Bundeshymne, die doch eigentlich längst von Schillers „Ode an die Freiheit“, vertont von Ludwig van Beethoven, als Europahymne abgelöst wurde. Symbolpolitik der aller unwichtigsten Art.

Und dann ist da noch das zweite aufregende Thema dieser Tage: das Habsburg-Begräbnis. Mit imperialem Pomp wird der Sohn des letzten Kaisers in Österreich zu Grabe getragen. Und die Republik feiert mit. „Ja dürfen‘s denn das?“, könnte man mit Ferdinand dem Schwachsinnigen – pardon, Ferdinand dem Gütigen, wir sind ja jetzt wieder pro-habsburgisch – sagen. Ist es nicht unangebracht für jemand der nie gekrönt war, nie regiert hat, ihn wie ein Staatsoberhaupt zu Grabe zu tragen? Und überhaupt, wer trägt die Kosten? Ist es nicht womöglich doch der österreichische Steuerzahler, der hier für Habsburgs Glanz und Gloria aufzukommen hat?

Wohl kaum. Und wenn, dann bekommt er ein Vielfaches dafür zurück. Nach den beiden Adelshochzeiten der vergangenen Wochen ist nun das Adelsbegräbnis für Österreich zweifellos ein „Medien-Hype“, ein Ereignis das weltweite Aufmerksamkeit erregen wird und damit auch die heimischen Kassen klingen lassen dürfte.

Ganz abgesehen davon, das Otto von Habsburg zweifellos das war, was der gewohnt kluge steirische Diözesan-Bischof Egon Kapellari in Maria Zell über ihn sagte, nämlich „ein Kämpfer gegen die spirituelle Immunschwäche Europas“, ganz abgesehen davon ist das imperiale Begräbnis für die meisten schlicht und einfach ein medialer Groß-Event. Etwas das die Gazetten füllt, die Sensationslust des Publikums befriedigt, das mediale Sommerloch füllt und die Tratsch-Sucht der Österreicher stillt.

Unsere Sorgen möchte ich haben, könnte man als gelernter Österreicher angesichts dieser beiden Haupt-Themen der vergangenen Tage seufzen. Europa geht unter und wir zanken uns über Hymnen-Texte und Begräbniskosten.

6 Antworten zu Unsere Sorgen möchte‘ ich haben…

  1. mrs.poppins sagt:

    sie schreiben mir aus dem herzen, herr mölzer!
    aber unsere medien tun zu den politischen wahnwitz-ideen ihr übriges – denn bevor sich da mal einer hinsetzt und eine anständige „gschicht“ recherchiert, betet er lieber irgendeinen schwachsinn nach, denn sich irgendwelche menschen mal wieder ausgedacht haben…
    sie haben absolut recht damit, dass wir wohl wahrlich gravierendere sorgen haben als die frage, ob töchter nun teil der bundeshymne sein soll oder nicht…

  2. Bertha sagt:

    wenn ich als frau es nicht für nötig halte die österreichische bundeshymne zu gendern, dann weiß ich nicht warum einige männer sich über dieses thema so sehr den kopf zerbrechen können und wollen. es gibt auf der welt bei weitem größere probleme zu lösen. ich bin davon überzeugt, dass der großteil der frauen diese diskussion über die bundeshymne für blödsinnig hält. man müsste allerdings mal die durchschnitts-frau auf der straße darüber befragen und nicht irgendwelche emanzen, die sonst keine probleme haben

  3. Öko-Vergelter sagt:

    Europa kann durch diverse ökologische Maßnahmen gerettet werden. Z. B. können die herkömmlichen Autos durch 1-Liter-Autos ersetzt werden. Und Millionen Afrikaner und Asiaten müssen weggeschafft werden. Zudem sollen alle charakterlosen Menschen kastriert oder sterilisiert werden.

  4. Bertha sagt:

    Thema verfehlt Öko-Vergelter. Was haben Asiaten und Afrikaner mit unserer Bundeshymne zu tun?

    • Öko-Vergelter sagt:

      Im Artikel ist auch von der Euro-Krise die Rede (2. Abschnitt). Und die Finanzprobleme der EU sind zum Teil auf die verächtliche Einwanderung zurückzuführen.

  5. Bloody Mary sagt:

    Geschickt eingefädelter Tamtam, um vom Rettungsschirm etc. abzulenken. Das ist vorzüglich gelungen, weil die Leute nicht kapieren, wie Politiker gestrickt sind: falsch bis an Herz hinan! :mrgreen:

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