Die Ära der Apokalyptiker

Naturkatastrophen werden häufiger und schrecklicher! Diesen Eindruck hat man als Zeitgenosse jedenfalls. Zwar meinen Skeptiker, dass dies schon immer so gewesen sei, Tatsache ist jedenfalls, dass auf einem Planeten mit sieben Milliarden Bewohnern Katastrophen ganz andere Auswirkungen haben, wesentlich mehr Opfer fordern und größere Schäden verursachen, als dies beispielsweise im Mittelalter oder im Altertum der Fall war. In einem dünn besiedelten Japan mit wenigen Ortschaften bestehend aus fragilen Holzhäusern sind die Folgen eines Erdbebens mit dem Wert 8,9 auf der Richterskala gewiss andere als im Wolkenkratzer-Dschungel der 40 Millionen-Metropole Tokio plus Umland. Das ist keine Frage.

Und dennoch gibt es eine Häufung von Katastrophen. Der Klimawandel, die rasend schnelle Industrialisierung in der Dritten Welt, das Bevölkerungswachstum und andere Faktoren, möglicherweise verstärkte Sonnenaktivitäten und dergleichen steuern die Frequenz und die Heftigkeit von Naturkatstrophen. Der Vulkanausbruch aus Island mitsamt der darauf folgenden Aschewolke, die Waldbrände in Griechenland und Russland, die Flutkatastrophe in Australien, Dürre und Wasserknappheit in Spanien, verehrende Stürme, Erdbeben und Tsunamis, zuletzt eben in Japan und daraus resultierend Zivilisations-Katastrophen wie der drohende Supergau von Atomkraftwerken – all das sind Ereignisse, die von Apokalyptikern als Vorboten des Jüngsten Gerichts beschworen werden. Und die Realität ist tatsächlich apokalyptisch genug.

Dazu Revolutionen und Bürgerkriege wie etwa in Nordafrika, gewaltige Flüchtlingsströme und all das in Richtung Europa, das noch immer als Paradies auf Erden, als Schlaraffenland von allen Beladenen und Elenden dieser Welt geortet wird. Ein Europa, das durch die andauernde Finanzkrise selbst in Turbulenzen gerät, das durch den Zusammenbruch seines Finanzsystems und den drohenden Kollaps seiner Sozialsysteme sowie durch die andauernden Zuwanderungsströme in sozio-ökonomische Konflikte hinein taumelt, deren Ausmaß wir nur ahnen können. Dazu durch die Massenzuwanderung die Entwicklung einer Ghetto-, Kasten- und Konflikt-Gesellschaft, deren Verwerfungen bis zum latenten Bürgerkrieg in den Vorstädten des Kontinents führen dürften. Fürwahr ein Szenario für Apokalyptiker.

Wenn man all diese Entwicklungen weiter denkt, ein Anwachsen der Weltbevölkerung in zwanzig, dreißig Jahren auf neun Milliarden Menschen, eine Verschärfung der Klimakatastrophen und der Naturkatastrophen insgesamt, daraus resultierende gewaltige Wanderungsbewegungen, Aufstände, Bürgerkrieg, Grenzkriege, Hungerrevolten und der Sturm auf die westlichen Wohlstands-Staaten deren soziales Gefüge aber auch nach und nach zusammenbricht, dann stehen wir offenbar am Beginn eines chaotischen Zeitalters. Eines Zeitalters, das tatsächlich in vielen Teilen der Welt apokalyptische Züge annimmt. Eines Zeitalters, in dem Menschlichkeit, Frieden, Freiheit und Wohlstand Seltenheitswerte sein werden. Und wir Europäer, insbesondere die Nachkriegsgeneration, die in Jahrzehnten des Friedens, der relativen Freiheit und des relativen Wohlstands aufgewachsen sind, wir werden möglicherweise mit Wehmut an das goldene Zeitalter zurück denken, das wir bis über die Jahrtausendwende hinaus erleben durften. Offenbar müssen wir uns alle warm anziehen und auf das Schlimmste gefasst machen. Wenn hochindustrialisierte und hoch disziplinierte Gesellschaften wie die japanische durch eine gewaltige Naturkatastrophe derart aus dem Gleichgewicht gebracht werden können, sind natürlich auch wir Europäer davor nicht gefeit. Und die Beherrschung der Natur, aber auch die Beherrschung unserer Hoch-Technologie liegt offenbar nicht völlig in unserer Macht. Das sollten wir uns klar machen.

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