Politische Hysteriker

Das haben wir doch noch irgendwoher im Ohr: „Eine Clique gewissenloser Offiziere hat versucht, gegen die Führung zu putschen“, oder so ähnlich hat es im Juli 1944 geheißen. Damals vor dramatischem historischem Hintergrund. Heute vernimmt man es ähnlich aus dem Wiener Verteidigungsministerium von einem politischen Laiendarsteller, der den heimischen Kriegsminister mimt. Er hat jeden Widerstand im Offizierscorps im Keim erstickt und – allen voran – den von ihm selbst berufenen Generalstabschef, einen lang gedienten Genossen, aus dem Amt gejagt, als dieser es wagte, Widerspruch gegen die wirren Pläne seines Ministers zu äußern.

Der Zivildiener, Pazifist und linke Menschenfreund Darabos, hat somit im übelsten Stil des Autokraten Politik gemacht, wie man sie in Österreich eigentlich kaum kennt: Untergebenen und Mitarbeitern wird das Recht auf freie Meinungsäußerung verwehrt. Nun ist der General Entacher deshalb längst noch kein Kandidat für den Maria-Theresien-Orden. Diesen bekam man bekanntlich, befehlswidrig Heldentaten vollbrachte. Aber er hat immerhin ein beachtliches Maß an Zivilcourage gezeigt, was vielleicht dadurch erleichtert wurde, dass er ohnedies früher oder später in Pension gegangen wäre.

Deutlich aber wurde mit dem Widerstand des obersten Militärs der Republik wie wirr die politische Konzeption des Ministers und damit der Bundesregierung ist. Sehen wir uns doch die jüngste Entwicklung in Sachen Wehrpflicht an: Da kam der Wiener Bürgermeister wenige Tage vor der Landtagswahl, als man ihm von Straches Seiten bereits den Stuhl unter dem Hintern angezündet hatte, auf die geniale Idee – Kreisky schau oba – das Ende der Wehrpflicht auszurufen. Ganz so, als wäre der Wiener Bürgermeister dazu berufen. Damit lag er ganz auf Linie des größten Kleinformates des Landes und wie er meinte auch auf der breiter Teile der Jugend. Diese wählte dann zwar doch zu Hauf den blauen Herausforderer. Herr Darabos aber nahm Haltung an und begann den Wunsch des grantigen Wiener Bürgermeisters und der Muthgasse zu exekutieren. Das Aus für die Wehrpflicht schien gekommen zu sein.

Überdies gibt es ja bekanntlich die bundesdeutsche Parallele, wo der aristokratische Verteidigungsminister und CSU-Nachwuchsstar mit der Ausrufung des Wehrpflicht-Endes offenbar in ungeahnte Höhen der Popularität geklettert ist. Da mag sich Darabos als rot-weiß-rotes Pendant gewissermaßen schon als von und zu gesehen haben. Nun schaut es aber anders aus: Der Minister ist gescheitert, Offizierskreise üben offene Rebellion, auch wenn die Kronenzeitung noch so laut nach der Abstrafung Unbotmäßiger ruft.

Die Debatte über die Zukunft der Landesverteidigung könnte nun allerdings erst wirklich in Gang kommen, und zwar grundsätzlich und sachlich. Die Fragen, ob Österreich, eingebettet in die Mitte Europas, eine Armee braucht und zu welchem Behufe, wird man da diskutieren müssen. Die Frage wie diese Armee auszusehen hat, ob es Hightech-Profis sein müssen, oder biedere, regional im Volk verankerte Milizionäre, ob Freiwillige oder Wehrpflichtige. Und ob die Wehrpflicht, so man sie beibehält, nicht durch eine allgemeine Dienstpflicht aller jungen Staatsbürger zu ergänzen wäre. Das Argument, dass junge Frauen ja Kinder bekämen und deshalb nicht zum Militär müssten, ist ja weitgehend hinfällig. Und überhaupt, wo bleibt denn da dann der Gleichheitsgrundsatz?

Diese ganze nun zu führende Debatte wird wohl ohne den Herrn Darabos stattfinden. In Zeiten, da Analphabeten den Bildungsminister mimen, Steuerhinterzieher den Finanzminister und Wehrdienstverteidiger das Militärressort innehaben, mochte der Aufstieg des Parteisekretärs ja angehen. Wenn es aber darum geht, staatspolitisch bedeutsame Weichenstellungen vorzunehmen, von historischer Dimension, dann sollte sich Herr Darabos vielleicht auf den von ihm erst jüngst zitierten burgenländisch-kroatischen Fußballverein zurückziehen. Für politische Hysteriker dürfte das militärische Terrain zu schwierig sein.

2 Antworten zu Politische Hysteriker

  1. Bertha sagt:

    Militär, Rebellion, Darabos, Zivildienst und Wehrpflicht sind wohl die Themen die uns in den nächsten Wochen beschäftigen werden. Die Frage ist nur ob die Politik auf einen grünen Zweig kommen wird oder nicht….

  2. mrs.poppins sagt:

    Es ist eine absolute Frechheit, was Darabos hier aufführt! Seinen General mehr oder weniger zu schaßen, nur weil dieser sein Grundrecht über freie Meinungsäußerung kundtut – ja bitte wo leben wir denn??? Ich bin einfach nur schockiert und erbost über soviel Frechheit!!!

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