Kurzlebige Erregungen

Wir leben in einer Epoche und in einem Lande, in den die Kurzatmigkeit gewissermaßen zum Prinzip erhoben wird. Es gibt nämlich so etwas wie eine jäh aufflammende, hektische und dafür aber auch rasch wieder abschwellende Art der Erregung, die bei uns das öffentliche, das politische, das gesellschaftliche Leben bestimmt. Nehmen wir etwa die letzten Tage und Wochen: Da war es die Abwahl eines ORF-Granden, das Interview eines außereuropäischen Botschafters und – aus ganz anderem Bereich – der Sieg bei Autorennveranstaltungen, was Österreich erregte.

Die Erregungs-Anlässe der Wochen davor, etwa der Wiener Wahlsieg der Freiheitlichen, die rigide Abschiebung irgendwelcher Zwillingskinder, der Bergtod auf dem Großglockner – alles längst wieder vergessen. Und genauso wird man die Erregtheit dieser Tage in wenigen Tagen vergessen haben. Wir wollen sie uns dennoch ein wenig näher ansehen: etwa die Abwahl des ORF-Informationsdirektors Oberhauser. Dabei wurde der altgediente Vorarlberger Medien-Bär, lange Zeit von allen hoch gelobt, zuerst zum Problem-Bären abgestimmt und dann vom juvenilen Polit-Duo Rudas und Pellinker zum Abschuss freigegeben. ORF-Generaldirektor Wrabetz erwies sich als Marionette der roten Parteisekretäre und dieser gerade der Pubertät entschlüpften Nachwuchs-Politiker, die aus sozialistischem Hochadel stammend nunmehr im ORF wüten dürfen, haben zur gnadenlosen Treibjagd geblasen. Da wurde Oberhausers Gehalt, seine Abfertigungen und seine Pensionsansprüche thematisiert, um sein Eintreten gegen Parteien-Interventionen in den Hintergrund zu drängen. Und letztlich hatte er keine Chance. Sein Rücktritt zeigt allerdings, dass der ohnedies an Höher- und Seherschwund leidende ORF nach wie vor eine reine Spielwiese für parteipolitische Interessen ist. Und auch wenn die Sozialisten nicht einmal mehr ein Drittel der Wähler unter ihren Fahnen versammeln können, den ORF dominieren sie zu 100 Prozent.

Oder nehmen wir das Interview des türkischen Botschafters, der – für einen Diplomaten unüblich – seinen Aversionen gegen Österreich freien Lauf gelassen hat. Die Österreicher seien Schuld an der mangelnden Integration der hier lebenden Zuwanderungs-Türken. Sie hätten diesen ein adäquates Schulwesen verweigert, sie würden diese in Ghettos drängen, sich nicht für ihre Kultur interessieren und überhaupt bloße Ablehnung spüren lassen. Dankbar muss man seiner Exzellenz, dem Botschafter sein, weil er einmal Klartext sprach und weil er uns zeigte, wie groß die Abneigung sowohl des türkischen Establishments als auch der breiten Masse der Zuwanderungstürken gegenüber unserem Land ist. Folgen wird aber auch diese Erregung keine haben. Man wird den Botschafter abberufen, allenfalls hat er sich eine gute Ausgangsposition für den Einstieg in die türkische Politik geschaffen.

Eine dritte Erregung der innenpolitischen Art bildet die Bildung der ersten rot-grünen Stadtregierung in der Bundeshauptstadt Wien. Unisono bejubeln die zeitgeistigen Medien dieses ach so interessante Experiment, bei dem der rote Alt-Grantler Häupl eine Zuwanderungs-Griechin in den Sessel der Vizebürgermeisterin erhebt. Dass es sich dabei tatsächlich um eine Koalition der Verlierer handelt, die dem Wählerwillen diametral gegenüber steht, wird ignoriert. Und was die Grünen in den nächsten Jahren Verkehrsplanung, in Sachen Integrationspolitik, in Sachen Infrastruktur in der Bundeshauptstadt anstellen werden, wird ebenso ausgeblendet. Nur wenige hellsichtige Beobachter gehen davon aus, dass damit ein weiteres Anwachsen der Strache-FPÖ in Wien gewährleistet sein dürfte.

Aber auch in diesem Fall können wir davon ausgehen, dass die Erregung und das Interesse bald abflauen wird. Neue Katastrophen, neue Sensationen, neue Aufregungen werden folgen. Die rot-grüne Stadtregierung in Wien wird zur tristen Alltagsrealität werden, der türkische Botschafter wohl bald aus dem diplomatischen Corps verschwinden und irgendein neuer Parteigünstling wird Informationsdirektor des ORF werden. Der gelernte Österreicher weiß also genau, was auf ihn zukommt. Er darf raunzen und meckern, ändern darf er nichts. Wir werden sehen, wie lange sich der angeblich ach so mündige Bürger hierzulande all dies gefallen lassen wird.

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2 Responses to Kurzlebige Erregungen

  1. Bertha sagt:

    Offensichtlich gibt es ja sehr viele Diskussionspunkte in unserem Land. Die Liste ist lang. Es wäre an der Zeit Taten sprechen zu lassen und diese Probleme endlich aufzuarbeiten.

  2. Heidelore sagt:

    Udo Ulfkotte versieht sein Buch “ Vorsicht Bürgerkrieg“ mit dem Untertitel „Was lange gärt, wird endlich Wut“
    Quousque tandem abutere, (liebe „Gutmenschen“), patientia nostra? Mehr und mehr lichtet sich der Schleier, der über der Vergangenheit liegt, und die verfälschten und schöngeredeten historischen Ereignisse bekommen Konturen. Der Zorn des belogenen, mißbrauchten und manipulierten Bürger könnte sich in bürgerkriegsähnlichen Zuständen entladen.
    Nur eine schonungslose und bedingungslose Aufarbeitung der Vergangenheit kann dem entgegenwirken.
    In der hinduistischen Kosmologie bezeichnet man das letzte der vier Zeitalter,als das finstere (kaliyuga).
    Es soll in in unserer Zeit zu Ende gehen.

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