Alte Konflikte – neue Probleme

In dieser Folge beschäftigen wir uns mit dem sogenannten „fahrenden Volk“, mit Roma und Sinti also, um es politisch korrekt auszudrücken, mit den Zigeunern, um verständlich zu sein. Unmittelbarer Anlass ist das französische Vorgehen gegen illegale Zigeunersiedlungen im Umfeld der französischen Städte, das bekanntlich von den EU-Gewaltigen aufs Schärfste kritisiert wird. Sarkozy lässt diese illegalen Siedlungen abreißen und die Zigeuner in ihre Herkunftsländer zurück bringen. Er argumentiert, dass es schlicht und einfach Verstöße gegen die Gesetze seien, die hier sanktioniert würden. In Brüssel hingegen lamentiert man, dass das ein eklatanter Verstoß gegen das geheiligte EU-Prinzip der freien Niederlassung und der Reisefreiheit sei.

Nun wissen wir, dass insbesondere rumänische Zigeuner mit Vorliebe in romanischsprachige Länder wie Italien oder nun eben Frankreich einreisen, da sie sich dort sprachlich eben relativ leicht tun. Die Probleme die Italien in den letzten Jahren, konkret die Hauptstadt Rom, hatte als es hieß, „Rumänen“ würden für eine Häufung der Kleinkriminalität, Vergewaltigung und dergleichen verantwortlich sein, ist auf dieses Faktum zurückzuführen. Es waren nicht Rumänen, sondern eben rumänische Roma. Und wie in Frankreich ist es natürlich auch die Neigung des fahrenden Volkes, sich über geltende Gesetze leichterhand hinweg zu setzen, die Anlass für die Abschiebeaktion war. Dass es geradezu zur Kultur des fahrenden Volkes gilt, den Eigentumsbegriff anders auszulegen als herkömmliche europäische Gesellschaften, ist ja sattsam bekannt. Darauf hinzuweisen wird allerdings heute flugs als Rassismus oder zumindest mieses Ressentiment gebrandmarkt – dennoch bleibt es Tatsache. Und natürlich wird von Seiten der Zigeuner wenig Rücksicht genommen auf Dinge wie Bauordnung, kommunale Richtlinien und ähnliches, wenn sie ihre Lager irgendwo aufschlagen. Von den hygienischen Zuständen, mit denen dann einheimische Anwohner zu kämpfen haben, gar nicht zu reden. Diebstähle, Betrügereien, Überfälle, sexuelle Übergriffe und ähnliches häufen sich zumeist und schaffen ein Klima, in dem die Bevölkerung eben nach hartem Durchgreifen der staatlichen Autoritäten verlangt. Sarkozy hat dem – gewiss auch aus pragmatisch-politischen Gründen – nachgegeben und ein Exempel statuiert. Ein Exempel, das gewiss auch für die EU von Bedeutung sein wird. Geht es doch um die Frage, ob das Prinzip der freien Niederlassung völlig schrankenlos gültig sein kann.

Bedenkt man nämlich, dass beispielsweise in Rumänien das Durchschnittsgehalt etwa 200 Euro ist und das von fleißig arbeitenden Menschen, dass aber in den westeuropäischen Ländern, nicht nur in Frankreich und in Italien natürlich auch bei uns in Österreich und in Deutschland, bereits die Sozialhilfe ein Vielfaches ausmacht, dann kann man unschwer erkennen, dass die Versuchung, innerhalb der Europäischen Union in die lukrativeren Sozialsysteme der reicheren Länder zuzuwandern, sehr groß sein muss. Bevölkerungsgruppen wie die Zigeuner, die von ihrer Kultur her eine Art halb nomadisches Leben führen, werden sich da natürlich besonders angesprochen fühlen. Das steht außer Zweifel. Man stelle sich also vor, es würden Hunderttausend rumänische Zigeuner nun auf die Idee kommen, nach Österreich zu ziehen, sich flugs auf irgendwelchen brachliegenden Flächen im Umland Wiens illegal niederlassen, ihre Wohnwägen dort aufstellen, um sich sofort an dem Tag bei den Behörden zu melden und das zu beanspruchen, was ihnen angeblich, nach Vorstellung mancher EU-Bürokraten zusteht: nämlich alle österreichischen Sozialleistungen. Gleichzeitig würde sich durch diese Hundertausend und deren bereits skizziertes Sozialverhalten für die umliegende autochthone österreichische Bevölkerung ein Klima ergeben, durch das Konflikte zwangsläufig entstehen müssten. Eine Katastrophe! Nicht leistbar für unser Sozialsystem! Nicht zumutbar der bodenständigen Bevölkerung.

Das sind also neue Konflikte, die bereits entstanden sind während der letzten Jahre, oder die noch mit einiger Sicherheit auf uns zukommen werden. Alte Konflikte hingegen wie die historisch gewachsenen Nationalitätenstreitigkeiten, die es vom Baskenland bis ins Baltikum (mit den dort lebenden zugewanderten russischen Bevölkerungsteilen) gibt, scheinen an Brisanz zu verlieren. Eine Feststellung, die sich auch in Österreich erhärten lässt, wenn man etwa die aus dem 19. Jahrhundert dotierende Auseinandersetzung zwischen den Kärntner Slowenen und der deutschen Mehrheitsbevölkerung betrachtet. In Kärnten, das in diesen Tagen die 90. Wiederkehr der Volksabstimmung vom 10. Oktober 1920 begeht, scheint es nämlich so, als würde nach und nach allenthalben Vernunft einkehren. Nach langem hinhaltenden Widerstand der Kärntner Freiheitlichen um die Gebrüder Scheuch und den Landeshauptmann Dörfler, ist man nun offenbar bereit, einen Konsens in der Frage der zweisprachigen Ortstafeln zuzustimmen. Dass was bereits vom seinerzeitigen Kanzler Schüssel, dann von dessen Nachfolger Gusenbauer vorgeschlagen wurde, nämlich eine Erhöhung der zweisprachigen Ortstafeln auf eine Anzahl zwischen 140 und 170, dürfte über kurz oder lang zur allgemein akzeptierten Realität werden. Und auch in Kärnten wird man sich dazu durchringen, dass rund 10.000 Slowenen – so stark dürfte die Volksgruppe aufgrund der letzten Erhebungen wirklich sein – kein Problem für das Land sind, sondern eine Bereicherung, die historisch gewachsen ist. In der Lausitz, jenem mitteldeutschen, heute an Polen grenzenden Gebiet, in dem die Sorben leben, gibt es tausende zweisprachige Ortstafeln und kein Mensch käme auf die Idee, dass diese der Slawisierung Vorschub leisten könnten. Sogar im zwischen Deutschen und Franzosen heftig umkämpften Elsass und in der schönen Stadt Strasbourg sind zweisprachige Aufschriften völlig selbstverständlich und das obwohl die Bürger von Straßburg zu Beginn des Zweiten Weltkriegs von der französischer Regierung wegen mutmaßlicher politischer Unzuverlässigkeit noch nach Südfrankreich deportiert wurde.

Man beginnt also in Europa nach und nach mit den historischen, nationalen und ethnischen Konflikten gelassener, wenn nicht sogar positiver umzugehen. National-kulturelle Überschneidungslinien und Verwerfungen, die im 20. Jahrhundert noch zu blutigen Konflikten geführt haben, werden heute zunehmend als Bereicherung empfunden. Es wird Zeit, dass dies auch in Kärnten so ist. Als national denkender Mensch muss einem die Erhaltung einer ethnisch-kulturellen Gruppe prinzipiell ein Anliegen sein. Wenn man politisch pragmatisch denkt, muss man sich klar machen, dass es in der Republik längst mehr Nigerianer oder Tschetschenen, um ein paar Beispiele zu nennen, gibt, als Slowenen. Wo also liegt das Problem?

Advertisements

4 Responses to Alte Konflikte – neue Probleme

  1. Bertha sagt:

    Wenn Präsident Sarkozy illegal eingewanderte Menschen aus Frankreich vertreibt, sehe ich nicht ein, dass die EU sich wieder einmischt. Sicher gibt es das Niederlassungsrecht, aber das gilt meines Wissens nur wenn man an dem Ort an dem man sich niederlässt auch Arbeit vorweisen kann….

  2. derpatriot sagt:

    @Bertha – nicht nur Arbeit sondern auch einen fixen Wohnsitz!!!
    DIe Roma-Siedlungen in Paris waren illegal – diese leute waren ja nicht mal wo gemeldet!!!
    http://sosheimat.wordpress.com

  3. Der Bub sagt:

    Leider dürfte Arbeit bei einigen Zuwanderern überbewertet werden – *sarkasmus aus!* Ich finde es absolut großartig, dass Sarkozy hier ein klares Statement abgegeben hat und sein Vorhaben auch durchgezogen hat. Meiner Meinung nach könnten sich auch Österreichische Politiker eine Scheibe davon abschneiden!

  4. Bloody Mary sagt:

    Obwohl selber ungarischer Zigeuner-Abkömmling (Sarkösi), hat Sarkozy Rückgrat gezeigt. Ich habe ihm mit schöner Ansichtskarte gratuliert. Ich weiß noch, wie man in den Dreißigerjahren kein Stück Wäsche auf der Leine hängenlassen konnte, weil die Zigeuner alles geklaut haben. ALLES! Sogar meine Mutter als zweijähriges Kind(zwecks Blutauffrischung) im Jahre 1902. Gottlob fiel das blonde Kind Beamten auf. Sonst wäre ich eine Zigeunerin.ggg.Die EU mischt sich halt überall ein. Deshalb:www.eu-austritts-volksbegehren.at

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: