Wallungen ums Wiener Blut

Zwangsläufig wird es immer krampfhaft, wenn die Hohen Priester der political correctness in die Alltagssprache des Volkes eingreifen wollen. Da wagen es doch die Wiener Freiheitlichen glatt, im angehenden Landtagswahlkampf den Slogan „Mehr Mut für unser Wiener Blut“ zu plakatieren und flugs werden sie aktiv, die Gralshüter des Gutmenschentum: das sei nichts als blanker Rassismus, widerlich und verhetzend.

Nun kann man über die Sinnhaftigkeit und auch über die Qualität von gereimter Wahlwerbung durchaus geteilter Meinung sein. Die FPÖ hat sich bekanntlich in den vergangenen Jahren ja als die Partei der politischen Gebrauchslyrik profiliert. Man kann allerdings auch die Ansicht vertreten, dass Wahlwerbung überhaupt zumeist eher nervtötend und geistlos ist, allzu plakativ, wenn nicht gar primitiv. Und das beschränkt sich keineswegs auf die rechte Oppositionspartei, sondern trifft wohl auf mehr oder weniger alle Parteien im Lande zu. Dass aber im gegenständlichen Fall sofort wieder der politisch korrekte Beißreflex aktiviert wird, ist denn doch einigermaßen lächerlich. Nicht nur weil es bekanntlich um ein Zitat aus der guten alten österreichischen Operette geht, sondern weil in unserer gegenwärtig vielfach geschundenen deutschen Muttersprache das Wort „Blut“ häufig in einem derartigen, gewissermaßen identitätsstiftenden Zusammenhang verwendet wird: „Er ist von meinem Fleisch und Blut“, heißt es etwa. Aristokraten sind von „blauem Blut“. Träge oder schwermütige Menschen werden als „schwerblütig“ bezeichnet, erfolgreiche Auftrags-Killer als „kaltblütig“, die in der Damenwelt so geschätzten „Latin-Lover“ als „heißblütig“. Und so weiter und so fort…

Was also soll das? Das Blut gilt als Metapher für Zugehörigkeit und Abstammung. Nicht umsonst heißt es im römischen Recht und in der Staatsphilosophie, dass es das “ius sanguinis“, das Geblütsrecht gebe, dass die Abstammung eben eine gewisse Rolle spiele. Wer von der Abstammung her, also vom „Geblüt“ Deutscher ist, auch wenn er seit Generationen beispielsweise in Kasachstan lebt, hat nach dem bundesdeutschen Grundgesetz Anspruch auf einen bundesdeutschen Pass. Gleiches wollen die Rumänen nunmehr den ethnischen Rumänen in Moldawien zugestehen. Ähnliches vollziehen die Türken mit Angehörigen anderer Turkvölker aus Zentralasien.

All das wird natürlich von den politisch korrekten Tugendwächtern als blanker Rassismus angesehen, es ist aber ein Faktum, eine Gegebenheit. Und natürlich ist den ganz normalen Menschen auch in Österreich ihr „eigen Fleisch und Blut“, etwa ihre Kinder, mehr wert als der Fremde. Sie leben für dieses Fleisch und Blut, sie kämpfen dafür, sie arbeiten dafür, sie ziehen es nach Kräften und bestem Wissen und Gewissen auf. Wenn also dann in der politischen Auseinandersetzung die Floskel vom „Wiener Blut“ fällt, wissen die Wiener schon, dass damit ihr eigen Fleisch und Blut, ihre eigene Leute, die autochthonen Wiener eben, gemeint sind.

Dies mögen nun solche politischen Kräfte, denen eine multiethnische Gesellschaft, möglichst vielfältige Zuwanderung und die vielgepriesenen Segnungen der Multikulturalität wichtiger sind als die Belange eben dieser autochthonen Bevölkerung, durchaus ablehnen. Und sie mögen – wie dies unlängst in der Presse durchaus interessant dargestellt wurde – den Biologismus, der in der umgangssprachlichen Verwendung des Begriffs „Blut“ liegt, aufzeigen oder auch anprangern. Reflexartig aber sofort von Rassismus und Verhetzung zu sprechen, ist nichts weiter als eine neuerliche Erregung der Alarmisten. Zu vermuten ist nämlich: selbst wenn die Wiener Freiheitlichen „Kinder-Reime“ plakatiert hätten, etwa „Ene mene mu und draus bist Du“ – wäre der Rassismusverdacht lauthals geäußert worden. Bei der Erwähnung des „Wiener Bluts“ war also nichts anderes zu erwarten, als ein sofortiges und heftiges Wallen des Bluts der politischen Mitbewerber HC Straches. Und genau das dürften dessen Wahlkampf-Strategen wohl bezweckt haben.

Eine Antwort zu Wallungen ums Wiener Blut

  1. Bertha sagt:

    Dass im Wahlkampf immer wieder versucht wird Fehler der Konkurrenz zu finden ist allgemein bekannt. Ich finde es allerdings peinlich, dass immer nur auf FPÖ-Wahlplakaten etwas Abstoßenes oder Böses von politischen Gegnern gefunden wird.

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