Am Ende gewinnen die Deutschen!?

Dem Fußballrausch kann sich niemand so recht entziehen, auch hierzulande, wo wir nicht direkt und unmittelbar teilnehmen. Früher waren die Straßen leer gefegt und alles saß vor dem Heimkino, heute ist mit „Public Viewing“ dafür gesorgt, dass auch im öffentlichen Raum vor irgendwelchen Großbildflächen gemeinschaftlich gejubelt und getrauert wird. Und wieder einmal ist es die bundesdeutsche Elf, die für Furore sorgt.

Tatsache ist, dass nur 13 Prozent der Österreicher zur bundesdeutschen Fußballmannschaft halten. Man ist für jeden anderen, für die Brasilianer, für die Argentinier – die beide bereits ausgeschieden sind – nur nicht für die Deutschen. Was leitet sich daraus ab? Selbsthass der Deutsch-Österreicher, Minderwertigkeitskomplex gegenüber dem großen Bruder, erfolgreiche Umerziehung nach 1945 oder schlicht historische Unkenntnis?

Normalerweise wäre es das Natürlichste vom Natürlichsten, dass man zum großen Bruder hält, wenn man selbst als kleinerer Bruder nicht dabei ist. Dass man für jene die Daumen drückt, die der eigenen Sprach- und Kulturnation angehören. Aber im postnationalen Österreich des 21. Jahrhunderts ist eben nichts normal bzw. natürlich.

Dabei ist die gegenwärtige bundesdeutsche Fußballmannschaft ohnedies ein höchst zeitgeistiges Beispiel einer Multikulti-Truppe: zwei Schwarzafrikaner, ein Türke stürmen da mit und Klose und Podolski werden ohnedies als Polen gehandelt, auch wenn sie in Wahrheit wahrscheinlich biedere Schlesier sind. So brave Durchschnittsdeutsche wie der Jungstar Müller, wie Schweinsteiger, wie Mertesacker, gehören bereits geradezu zur Minderheit in dieser Mannschaft.
Aber wie auch immer. Diese deutsche Mannschaft spielt jedenfalls hervorragend, bietet eine gute Show und kurioserweise die Möglichkeit zu nationaler Identifikation. In Österreich sind es die wenigen bewussten Deutsch-Nationalen – der freiheitliche Nationalratsabgeordnete Harald Stefan lässt grüßen – die der Meinung sind: „Wir gewinnen“. Und in der Bundesrepublik zeigt sich nahezu so etwas wie eine nationale Euphorie, wie fahnenschwingender Patriotismus, der allerfröhlichsten, allerdings auch allerseichtesten Art und Weise, durchaus erfreulich, aber wenig gewichtig.

4 Antworten zu Am Ende gewinnen die Deutschen!?

  1. Frank Franz sagt:

    Ein hervorragender Artikel in einer für mich überraschenden Deutlichkeit. Wenn aber der „seichte Fußballpatriotismus“ der Strohhalm ist, nach dem wir greifen müssen, dann greifen wir eben nach ihm. Wir sind nicht in der Verfassung, uns die Rosinen heraus zu picken.

  2. Bertha sagt:

    Eigentlich sollten sportliche Großveranstaltungen Menschen ja „zusammen bringen“, doch ist oft das Gegenteil der Fall. Kranker Ehrgeiz, Neid und Eifersucht sind die treibenden Kräfte und man entfernt sich immer mehr vom sogenannten „olympischen Gedanken“. Doch sind es meist die Fans, die diese falsche Vorstellung vertreten

  3. Helwig Leibinger sagt:

    Es wird einem von den Medien in diesem erschwert unbeschwerten Herzens und aus voller Herzenslust für die deutsche Mannschaft zu brüllen, da immer und überall die mies gelaunten Miesepeter herumsitzen, die sich über die „Piefkes“ und die „Dejtschn“ spöttisch und herablassend oder gar hasserfüllt äußern. Denen ist die Lad heruntergehangen, als die Deutschen England 4:1 in einem fanatstischem Spiel bezwungen haben. Da haben vor den Fernsehbildschirmen sogar die ehemaligen Kolonialstaaten Indien und halb Afrika gejubelt. Jetzt das 4:0 gegen Argentinien war ja noch viel schöner.
    In Österreich plappern viele gern gegen die Deutschen. Angefangen von der Piefkesaga gab es ja immer wieder filmische oder literarische Ergüsse, die immer in die selbe Kerbe schlugen. Alles gegen Deutschland und alles für alle anderen.
    Am Rathausplatz 2008 haben doch wirklich einheimische Österreicher für die Türken und dann für die Spanier gejubelt, um nur ja nicht auf der Seite der Deutschen zu sein.
    Mittlerweile haben sich aber in ÖSTERREICH schon Werner Faymann und Josef Pröll bewundernd über die Deutsche Fußballmannschaft geäußert. Auch ein Ö3 Moderator Kratky, ein Deutschenhasser aus Salzburg wurde eines Besseren belehrt und schiebt weniger einseitige Kommentare.
    Und es wäre ja wirklich schön wenn wir diesmal siegen.

  4. E-F-V sagt:

    Mit dieser WM tritt ein gewisser Wandel in der Haltung zu Deutschland und seiner Nationalmannschaft ein. Immerhin hat sogar eine große Tageszeitung ihre Unterstützung für „Jogis Jungs“ bekundet. Unangenehm fällt allerdings immer noch der ORF auf, dessen Kommentatoren extrem deutschfeindlich sind.

    http://www.unzensuriert.at/001449-wm-tagebuch-27-sterreich-f-r-deutschland

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