Nationalspieler oder Gladiatoren?

Alle vier Jahre wieder präsentieren sich bei den Fußball-Weltmeisterschaften die Fahnen und Farben der Nationen bzw. Fußball-Nationen dieses Planeten. Da kochen patriotische Emotionen hoch, Fahnen und Farben werden stolz präsentiert, Hymnen mit großem Pathos abgespielt. Kritiker jedoch lassen uns wissen, dass nationale Wettkämpfe, Länderspiele also längst überholt sind. Und die Realitäten etwa in der Zusammensetzung der Fußballmannschaften scheinen ihnen Recht zu geben: Da besteht die französische Mannschaft nahezu insgesamt aus Schwarzafrikaner, da zeigt sich bei den meisten Teilnehmermannschaften die multikulturelle Gesellschaft, die weltweite Migrationsgesellschaft, in all ihren Facetten. Und sogar die deutsche Nationalelf hat bei ihrem ersten Spiel den Triumph gegen Australien mit zwei Türken und einem Schwarzafrikaner reüssiert. Ist es also wirklich sinnlos noch von Nationalmannschaften, von nationalen Wettkämpfen zu sprechen?

Die Alternative zu diesen Wettkämpfen der Völker und Nationen sind Gladiatoren-Kämpfe wie wir sie etwa von der Formel Eins des Motorsports kennen. Dort treten die Mannschaften großer Konzerne an. Red Bull, Ferrari, Mercedes, Renault, BMW und was auch immer konkurrieren hier, wobei die Fahrer zwar als Stars gehandelt werden, in Wirklichkeit aber die Maschinen, die Motoren gegeneinander prestige- und gewinnträchtig antreten. Neben dem finanziellen Rummel und dem Mediengetöse sind es aber sogar dort bei diesen Gladiatorenspielen der Autorennfahrer nationale Emotionen, die sich von Seiten des Publikums entfalten. Die Deutschen halten zu ihrem „Schumi“, die Italiener – weniger personenbezogen sondern mehr konzernorientiert – zu Ferrari und so weiter und so fort.

Nun ist es zweifellos eine Form von Pseudo-Patriotismus, der sich bei derlei Sportwettkämpfen entwickelt. Für Afrika etwa gestehen selbst die schärfsten Zeitgeistler und Gutmenschen zu, sind die Fußball-Wettkämpfe am Kap der guten Hoffnung eine Möglichkeit, neue Identität und neues Selbstbewusstsein zu entwickeln. Da ist es legitim wenn sich nationale ja gar auf die „schwarze Rasse“ insgesamt fokussierte Emotionen hochranken. Anders natürlich bei den Europäern, wo man sehr wohl die Gefahr des Chauvinismus sieht, wenn die eigene Mannschaft allzu sehr bejubelt wird.

Tatsache bleibt allerdings, dass beispielsweise in Deutschland nach dem fulminanten Eröffnungsspiel nationale Emotionen und schwarz-rot-goldene Fahnen in einem Maße auftreten, wie wir sie sonst im Alltag nicht finden. Nationale Emotionen der aller trivialsten Art und Weise allerdings. Emotionen, die sowohl von autochthonen Deutschen als auch von zugewanderten Türken geteilt werden. Emotionen, die von der Medien- und Unterhaltungsindustrie entsprechend genutzt und vermarktet werden. Aber zweifelsfrei sind es nationale Emotionen. Das „Wunder von Bern“ in den 50-er Jahren brachte den Deutschen nach dem Krieg und den schweren Nachkriegsjahren neues Selbstbewusstsein. Die Fußball-WM in unserer post-nationalen europäisierten Welt des 21. Jahrhunderts lässt immerhin alle paar Jahre wieder ein bisschen Patriotismus und Nationalstolz aufflackern. Das ist auch schon etwas und man sollte es nicht zu gering achten.

4 Antworten zu Nationalspieler oder Gladiatoren?

  1. Der Bub sagt:

    Ich bin kein großer Fußballfreund. Mich nervt der Hype um diesen Sport sogar ziemlich, aber ich finde es ganz großartig, dass durch diese sportlichen Großereignisse wieder ein Nationalbewusstsein und ein Vaterlandstolz entsteht, der im Alltag sonst leider keinen Platz hat! Fremde feiern gemeinsam die Siege ihrer Helden, trauern gemeinsam, wenn das erhofte Ziel nicht erreicht werden konnte. Verbrüdern sich mit „Gegnern“, werden im besten Fall sogar Freunde. Ein Sport eint die Welt – etwas, das der politischen Führung der EU niemals gelingen wird.

  2. E-F-V sagt:

    In der deutschen Nationalmannschaft besteht ja keinerlei Gefahr von übertriebenem Patriotismus, da werden sogar Koranverse memoriert, während die Hymne erklingt.

    http://www.unzensuriert.at/001111-der-stolze-deutsche-fehlt-die-s-ldner-singen-nicht

    Kein Wunder, dass da sofort der Jobverlust für eine Modeatorin diskutiert wird, der eine bedenkliche Redewendung entweicht.

    http://www.unzensuriert.at/001136-wm-tagebuch-4-reichsparteitag-beim-zdf

  3. KarinA sagt:

    Auch in unserem örtlichen Sportverein ist es leider schon so, dass ortsansässige Jugendliche auf der Ersatzbank sitzen während auswärtige Spieler die Tore schießen. Sicher ist das manchmal durch außerordentliches Talent gerechtfertigt, doch kann ich mir kaum vorstellen, dass unsere Jugend so talentfrei ist, dass jeder Zweite nur Ersatzspieler sein kann. Wäre es nicht ratsam heimische Talente zu fördern um eines Tages mit ortsansässigen Sportlern die Nationalelf stellen zu können?

  4. Deutsche Hymne sagt:

    Mich stört, dass einige deutsche Nationalspieler nicht einmal die Hymne mitsingen/Lippen bewegen, dass ist eine Frechheit!

    Und von deutschem Team kann ja irgendwie auch keine Rede mehr sein!

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