Die griechische Tragödie

Wie viele Milliarden sind es, die man für den Pleitier-Staat Griechenland seitens der Europäischen Union zuschießen muß? 30? 40? Oder 140? Der unbedarfte Beobachter hört und staunt – und er hat gar keine Vorstellung mehr, wie viel Geld das ist. Diesbezüglich sind wir alle in den vergangenen Jahren ein bisschen verdorben worden, weil im Zuge der Bankenkrise mit den hunderten Milliarden nur so herum geschmissen wurde. Beeindruckt war man da nur mehr, wenn von Billionen die Rede war. Dass es dabei um reales Geld geht, das durch wirtschaftliche Leistung, durch Vermögen, durch Arbeit herein gebracht werden muß, ist uns allen irgendwie abhanden gekommen. Erst jetzt, da wir hören, was den Griechen droht, ganz reale Verluste an Kaufkraft, was sie für Einschränkungen an Pensionszahlungen und Gehältern, Reduktion der Staatsausgaben für die öffentlichen Dienste, brutale Steuer und Preiserhöhungen hinnehmen müssen, erst jetzt wo wir begreifen, dass Schulden in der Höhe von hunderten Milliarden ganz konkret bedeuten, dass die betroffenen Menschen massiv verarmen, erst jetzt wird uns langsam unheimlich zumute.

Wir wissen, dass Griechenland erst der Anfang ist. Wann kommt Portugal, wann Irland, wann Spanien? Wie steht es mit Island, das in seiner Existenzangst massiv in die Europäische Union drängt? Wer wird dessen Schulden zahlen? Was ist mit den gigantischen Summen, die die großen EU-Staaten Deutschland, Frankreich an Schulden angehäuft haben? Und was schließlich ist mit jenen Schulden, die die Staaten aufgenommen haben, um ihre Banken zu sanieren (die die alten Spiele mit den Finanzspekulationen indessen munter weiter treiben)?

Fragen, die nicht so leicht zu beantworten sind. Die Apokalyptiker sagen den Zusammenbruch des gesamten Finanzsystems voraus, die Optimisten meinen, dass alles gar nicht so schlimm kommen werde, man habe ja auch die Finanzkrise überlebt.

Haben wir sie wirklich überlebt? Oder kommt das dicke Ende erst? Fest steht jedenfalls, dass all diese hunderten und tausenden Milliarden auch jene, die gegenwärtig an Griechenland gehen, irgendwie und irgendwann zurück gezahlt werden müssen. Abgearbeitet werden müssen, refinanziert werden müssen und wie soll das gehen, wenn nicht durch Einsparungen massive Einschnitte in den Sozialsystemen, Reduktion von Gehältern und Pensionen, Verminderung staatlicher Leistungen und zusätzlich durch eine breite und brutale Inflation, die die Menschen quer durch Europa wenn nicht gar weltweit abkassiert. Es ist müßig zu fragen, wo das ganze Geld geblieben ist. Natürlich waren es weltweit Spekulanten, die ihr Spiel getrieben haben und natürlich auch Milliarden auf die Seite gebracht haben. Natürlich wird man bei Goldman und Sachs wissen, was mit dem Geld geworden ist. Aber es sind eben nicht nur die Spekulanten gewesen, weder im Falle Griechenlands noch ganz allgemein. Es waren auch wir alle. Die ganz normalen Bürger, die über die Verhältnisse gelebt haben. Die sich daran gewöhnt haben und das bereits seit den 60-er und 70-er Jahren, dass man auf Pump Wohlstand und Wohlfahrtsstaat finanziert. Wir haben den Spruch des verewigten Bruno Kreisky noch in den Ohren, der da sagte, ihm seien etliche Millionen Defizit lieber als ein paar tausend Arbeitslose mehr. Und nach diesem Prinzip haben wir gewirtschaftet: Mehr ausgegeben als wir hatten, als wir eingenommen haben und erarbeitet haben.

Heute bekommen wir die Rechnung präsentiert. Zuerst die Griechen, morgen vielleicht wir. Und wenn die Versuchung für die Politik groß ist, hier populistisch nur auf die Spekulanten einzuschlagen, wird es nichts daran ändern, dass wir alle dafür büßen müssen und dass wir alle darüber nachdenken müssen, ob wir diese Luftblasen nicht auch selbst mit verursacht haben. Griechenland ist überall und die griechische Tragödie geht uns alle an – was nicht bedeutet, dass wir da automatisch und leichterdings schlicht und einfach zahlen sollen. Der Betrug bei der Aufnahme in die Eurozone, den die griechischen Wirtschafts- und Politeliten zu verantworten haben, muss geahndet werden. Und zu zahlen in ein Fass ohne Boden kann nicht das Ziel sein. Wahrscheinlich wird die Rückkehr in einen Hartwährungsverbund, wie er früher rund um die Deutsche Mark existierte, die Reduktion der Eurozone auf ein wirtschaftlich starkes Kerneuropa unumgänglich sein. Die Diskussionen darum müssen jedenfalls tabu- und vorurteilslos geführt werden und rasch und radikal.

Eine Antwort zu Die griechische Tragödie

  1. ebook leser sagt:

    Ein paar Tage sind ins Land gegangen und kaum einer spricht mehr über Griechenland. Das Land ist pleite und wir dürfen mal 30 Milliarden überweisen, die wir auch als Kredit aufnehmen dürfen, denn das haben wir ja auch nicht. Ich bin mal gespannt, wie lange es dauert, bis Deutschland von den Märkten als Junk eingestuft wird.

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