Missbrauch mit dem Missbrauch

10. März 2010

Eines der dominanten Themen dieser Tage sind die Kindesmissbrauchs-Fälle im Bereich katholisch-kirchlicher Schulen und Institutionen. Da wird quer durch Europa, von Irland über die Bundesrepublik Deutschland bis nach Österreich debattiert, was in kirchlichen Internaten in den 60er, 70er und 80er Jahren an angeblichen und echten Missbrauchs-Fällen vorgekommen ist. Gleich einer Lawine melden sich immer wieder Missbrauchs-Opfer, zum Teil bereits angejahrte Herrschaften, die in ihrer Kindheit offenbar systematischer Päderastie seitens der geistlichen Herren ausgesetzt waren.

Nun ist Kindesmissbrauch wohl eines der verabscheuungswürdigsten Verbrechen, die es in unserer Gesellschaft gibt. Die Gewalt, die da kindlichen Seelen angetan wird, ist schlichthin im Nachhinein nicht mehr gut zu machen. Dennoch scheint es so, als wäre im aktuellen Phänomen des Missbrauchs-Aufdeckens eine gehörige Portion Hysterie verborgen. Man erinnere sich beispielsweise an den, bereits mehr als ein Jahrzehnt zurückliegenden Fall des damaligen österreichischen Kardinals Groër. Was da von einem offenbar psychisch eher verhaltensauffällig gestörten Jüngling über die Internantstätigkeit des früheren Jugenderziehers Groër in einem niederösterreichischen Stift aufgedeckt wurde, war schon mehr als skurril – und das in einem zeitgeistigen, bekannt kirchenfeindlichen österreichischen Wochenmagazin. Bekanntlich hat das gereicht, um den Kardinal ins klösterliche Ausgedinge zu verbannen und der Kirche schweren Schaden zuzufügen.

Dies scheint auch ein gesellschaftspolitisches Ziel der gegenwärtigen Kampagne zu sein. Missbrauchs-Fälle, die 30 oder mehr Jahre zurückliegen sind mittlerweile kaum mehr nachweisbar und hängen wohl auch vom persönlichen Empfinden und den persönlichen Erinnerungen der Betroffenen ab. Nicht, dass man diese leugnen oder verharmlosen dürfe. Tatsache ist aber, dass insbesondere in der, von sexuellen und Überreaktionen geprägten Ära der 50er und 60er Jahre manches überinterpretiert worden sein könnte. Heute jedenfalls ist es so, dass die US-amerikanische Kirche, die irische Kirche, die bundesdeutsche Kirche, die österreichische Kirche Missbrauchs-Fälle eingestehen und untersuchen und damit gleichzeitig Massen-Kirchenaustritte und eine Schwächung der in ihrem Kern noch immer konservativen Institution Kirche in Kauf nehmen müssen. Der Heldenmut der geistlichen Herren, insbesondere der Kirchenfürsten, ist dabei ein durchaus beschränkter.

Nehmen wir beispielsweise den österreichischen Kardinal, der jüngst eine Sühne-Pressekonferenz in Sachen Kindesmissbrauch geben musste. Ihm fiel nichts Besseres ein, als einen medialen Befreiungsschlag zu starten, der darin bestand, sich von der freiheitlichen Präsidentschaftskandidatin Barbara Rosenkranz zu distanzieren. So viel zur politischen Abstinenz der katholischen Kirche in Österreich. Diese besteht leider nur darin, sich politisch korrekt heuchlerisch auf die Seite der Stärkeren zu stellen.

Insgesamt ist es wohl so, dass uns allen die repressive und von verschmitzter und verklemmter Sexualität geprägte Atmosphäre schulischer Institutionen beziehungsweise von Internaten, insbesondere solcher unter kirchlicher Führung, aus früheren Jahrzehnten bekannt ist. Kindesmissbrauch ist aber längst keine alleinige Domäne geistlicher Herren. Wer sich etwa die Berichte aus dem politischen Vorleben des rot-grünen EU-Stars Daniel Cohn-Bendit ansieht, wird von dessen Experimenten mit Kleinkindern hören, die nach heutigem Empfinden ebenso am hart am Kindesmissbrauch vorbei schrammen. Die verklemmte Sexualität zölibatärer Existenzen und die angeblich freie Liebe der 68er-neuen Linken haben da offenbar gewisse Berührungspunkte. Und was schließlich die heutige berechtigte Ächtung des Kindesmissbrauchs betrifft, soll man doch nicht vergessen, dass insbesondere im Bereich der Homophilie es ja keineswegs immer um das spießige Eheleben zweier angejahrter Frisöre geht, sondern auch um das Phänomen der Knabenliebe und, dass Homophilie und Päderastie durchaus gemeinsame Wurzeln haben.

Abgesehen davon aber: es tut der Kirche und auch weltlichen Schulen durchaus gut, sich von rigiden Erziehungsmethoden in der Vergangenheit und von Missbrauchsfällen, dort wo es sie wirklich gegeben hat, zu distanzieren, ja sie auch zu sühnen und das auch im strafrechtlichen Sinne. Wenn das Ganze aber eine politisch korrekte, hysterische Kampagne wird, um etwa verbliebene Restinstitutionen wie die Kirche endgültig zu vernichten, muss man dem doch kritisch gegenüber stehen.


Hofburg – Hoffnungen

2. März 2010

Unterschätzt mir die Bundespräsidentenwahl nicht! Wenn beispielsweise die ÖVP-Strategen nunmehr über ihr Lohnschreiber in nahestehenden Medien verlauten lassen, es sei ein „kluger Verzicht“ gewesen, wenn die Vizekanzlerpartei keinen eigenen Kandidaten für das höchste Staatsamt aufstelle, so ist dies plumpe Schönfärberei. Und wenn die Rest-Orangen – wohl wegen mangelnder Finanzmittel – auf die Kandidatur des Friesacher Gastwirtes verzichtet haben, dann dürften sie möglicherweise ihre letzte Chance im politischen Getriebe der Republik noch eine kleine Rolle zu spielen, vergeben haben. Und mit der Resignation des grünen Alt-Grantlers Alexander van der Bellen hat die linkslinke Melonen-Truppe gewiss eine große politische Möglichkeit vertan.

Diese Bedeutung der Wahl zum höchsten Staatsamt ist nun keineswegs nur eine Frage der Parteitaktik und der medialen Präsenz. Es geht im Bewusstsein, oder besser im Unterbewusstsein der Alpenrepublikaner dabei um wesentlich mehr. Wenn man die Sache analytisch betrachtet, hat diese Hofburg-Wahl drei Ebenen: eine formale, eine taktische und eine symbolische.

Vom Formalen her ist die Sache klar: das nächste Staatsoberhaupt der Republik Österreich heißt Heinz Fischer. Kein sonderlich origineller Befund, aber so ist die Faktenlage nun einmal.

Was die taktische Ebene betrifft, so kann die Präsidentschaftswahl allen daran beteiligten hohe mediale Präsenz und eine gewisse Resonanz innerhalb der Wählerschaft vermitteln. Wenn die Freiheitlichen als einzige Oppositionspartei sich nun entschlossen haben, ihren Kandidaten, bzw. ihre Kandidatin ins Rennen zu schicken, so bedienen sie diese taktische Ebene damit natürlich. Mediale Aufmerksamkeit ist ihnen gewiss, und ein relativer Erfolg ihrer Kandidatin dürfte wohl als weiterer Meilenstein im Zuge des Wiederaufstiegs der FPÖ gewertet werden. Wähler aus dem Bereich von ÖVP und SPÖ, die bei der Präsidentschaftswahl der freiheitlichen Kandidatin ihre Stimme geben, könnten dies bei darauf folgenden Wahlen etwa bei den Landtagswahlen in Wien, oder bei den nächsten Nationalratswahlen dann auch tun. Die Hemmschwelle wäre genommen.

Um schließlich die dritte Ebene dieser Hofburg-Wahlen zu beleuchten, die symbolische, muss gesagt werden, dass der Österreicher als Erbe der Habsburgermonarchie und des alten römischen Reichs deutscher Nation, sozusagen so etwas wie ein genuiner Monarchist ist. Der Bundespräsident als Ersatzkaiser, als personalisierte Symbolfigur des Gemeinwesens, Würde, Ruhe und Ausgleich zu repräsentieren. Wenn etwa Heinz Fischer die bereits geradezu langweilige Biederkeit des alten Kaiser Franz Josef ausstrahlt, ist dies natürlich für das höchste Staatsamt so etwas wie ein todsicheres Erfolgsrezept. Und wenn die 10-fach Mutter Barbara Rosenkranz die gütige Strenge einer Maria Theresia, einer Mutter der Nation, zu vermitteln vermag, könnte sie dem amtierenden roten Ersatzkaiser womöglich sogar gefährlich werden. Und natürlich spielt diese symbolische Ebene auch im taktischen Bereich für die Partei eine große Rolle: eine politische Bewegung die in der Lage ist, sich im Bewerb um die symbolische Repräsentation der res publika in der Identifikation mit derselben einzubringen, eine solche politische Bewegung ist staatstragend im eigentlichen Sinn des Wortes. Und niemand wird ihr das nehmen können. Weder mit Argumentationskrücken wie dem Verfassungsbogen, noch mit der Faschismuskeule wird man also die Freiheitlichen nach dieser Präsidentschaftskandidatur und einem womöglichen relativen Erfolg weiterhin ausgrenzen können. Das ist die eigentliche Bedeutung dieser Hofburgwahl für die Strache-FPÖ.


Ukraine ist in vielen Bereichen wichtiger Partner für die EU

1. März 2010

Es ist erfreulich, dass der neue ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch heute seine erste Auslandsreise nach Brüssel unternimmt, wo er unter anderem mit EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso zusammentreffen wird. Immerhin ist die Ukraine in vielen Bereichen ein wichtiger Partner für EU, etwa als Transitland für Energie oder bei der Bekämpfung der illegalen Zuwanderung.

Brüssel muss endlich damit aufhören, Kiew ins Fahrwasser der USA zu holen. Die Ukraine ist seit der Zeit Peters des Großen ein Teil der russischen Interessensphäre,
was die EU, wenn sie gute Beziehungen zu Moskau haben will, zu respektieren hat. Vielmehr muss die EU-Spitze die Politik Janukowitschs unterstützen. Wenn Janukowitsch sein Land als Brücke zwischen Ost und West bezeichnet, dann zeugt diese Aussage von politischer Klugheit. Vor allem ist es positiv, dass Janukowitsch einen NATO-Beitritt Kiews ablehnt, weil ein solcher Schritt nur eine unnötige Verschlechterung der politischen Lage in Osteuropa zur Folge hätte.