Schlitzohr Schüssel

Basteln ÖVP-Strategen an schwarz-blauer Option?

Vorige Woche, als man in den heimischen Medien das zehnjährige Jubiläum des Regierungsantritts von Blau-Schwarz zelebrierte, waren der seinerzeitige Wendekanzler Wolfgang Schüssel und seine Vizekanzlerin, die damalige FPÖ-Chefin Riess-Passer, in der Zeit im Bild2 zu einem Doppelinterview geladen. Dass man sich da von Seiten beider Herrschaften wenig selbstkritisch gab, verwunderte nicht, aufhorchen ließ der Kanzler allerdings nach der Frage, ob denn eine Neuauflage von Schwarz-Blau heute möglich wäre. Nach der üblichen Floskel, dass die FPÖ heute ein völlig andere Partei sei – no na, der Narziss Haider, seine Buberl-Partie und die ganzen ideologiefreien Quereinsteiger sind bekanntlich Vergangenheit – erklärte Schüssel scheinheilig: Haider habe ihm in persönlichen, vertraulichen Gesprächen erklärt, es gäbe drei Leute, mit denen er nicht arbeiten könne, es sei dies Heinz-Christian Strache, Mölzer und Scheuch.

Nun mag schon sein, dass der verblichene Bärentaler in der letzten Phase der schwarz-orangen Partnerschaft vor oder nach der Abspaltung des BZÖ über Strache und Mölzer lamentiert haben könnte. Warum aber sollte er damals einen der Gebrüder Scheuch nennen, die doch über die Implosion von Knittelfeld und die orange Abspaltung des Jahres 2005 hinaus zu seinen treuesten Vasallen zählten? Wenn dann wäre es logisch gewesen, dass Haider damals Strache, Mölzer und Stadler genannt hätte, die bekanntlich für das Überleben der FPÖ nach der Haider’schen Abspaltung zu Symbolfiguren wurden.

Soweit so unlogisch. Aber wahrscheinlich war diese Schüssel-Aussage in der ORF-Zeit-im-Bild ohnedies etwas ganz anderes als eine zeitgeschichtliche Replik. Sie könnte vielmehr darauf schließen lassen, dass ein Teil der ÖVP-Strategen, an der Spitze Alt-Mastermind Wolfgang Schüssel, an Optionen für eine Neuauflage einer schwarz-blauen Koalition basteln. Logischerweise als Alternative zur ungeliebten großen Koalition und als möglichst billige Möglichkeit, einen schwarzen Kanzler zu installieren. Und dabei würde man natürlich gemäß den Beispielen des Jahres 2000 wünschen, dass der Parteichef HC Strache so wie seinerzeit Jörg Haider außen vorbliebe, dass politisch schwergewichtige und unabhängige Persönlichkeiten so wie seinerzeit Hilmar Kabas oder Thomas Prinzhorn und heute Andreas Mölzer nicht mit von der Partie wären. Und dass man negativ punzierte politische Persönlichkeiten wie eben gegenwärtig die Gebrüder Scheuch nicht als Ballast mit an Bord nehmen müsste.

Wenn schon eine Koalition mit den Freiheitlichen, dann natürlich eine mit möglichst gleichgewichtigen Vertretern derselben.

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3 Responses to Schlitzohr Schüssel

  1. andreas maier sagt:

    Das die Wende wichtig für Österreich war, ist mittlerweile unbestritten. Was aber aus dieser Regierung entstanden ist, lässt die Frage offen, was wäre gewesen wenn….

    die FPÖ damals eine SPÖ – Minderheitsregierung unterstützt hätte?

    oder man noch einmal in Opposition gegangen wäre?

    Hätten sich dann die Freiheitlichen bei den nächsten Wahlen auf den ersten Platz gehieft?

    Wichtig sollte bei den nächsten Koalitionen allerdings nur eines sein, und zwar dass man nicht die Ideologie über Bord wirft.

  2. andreas maier sagt:

    Dass die Wende wichtig für Österreich war, ist mittlerweile unbestritten. Was aber aus dieser Regierung entstanden ist, lässt die Frage offen, was wäre gewesen, wenn….

    die FPÖ damals eine SPÖ – Minderheitsregierung unterstützt hätte?

    oder man noch einmal in Opposition gegangen wäre?

    Hätten sich dann die Freiheitlichen bei den nächsten Wahlen auf den ersten Platz gehieft?

    Wichtig sollte bei den nächsten Koalitionen allerdings nur eines sein, und zwar dass man nicht die Ideologie über Bord wirft.

  3. Ferdi Maier sagt:

    Genau darum gehts, wenn die FPÖ das nächste Mal in eine Regierung geht, dann dürfen wir nicht mehr den Ideologifreien das Feld überlassen, und denjenigen die Bühne frei machen, die von Anfang an die freiheitlichen Werte im Herzen trugen und immer noch tragen. Es sollten diejenigen eine Chance in einer neuen Regierung bekommen, die auch in den bittersten Zeiten die blaue Fahne hochhielten. Die, die sich von willkürlichen Spaltungen nicht beirren ließen.
    Es bleibt nur zu hoffen, dass wenn der Zeitpunkt kommt, und die Freiheiliche Partei wieder in der Lage ist Verantwortung zu übernehmen, dann auch die Werte des Dritten Lagers nicht zu kurz kommen

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