Dreifaches Drittes Lager?

Wie gespalten sind Kärntens Freiheitliche wirklich?

Man kann den Kärntner Nachlassverwaltern Jörg Haiders einiges vorwerfen, eines aber sicher nicht, dass sie nicht demokratisch legitimiert wären. Immerhin 45 Prozent der Kärntner haben Gerhard Dörfler und den Gebrüdern Scheuch nämlich erst vor einem knappen Jahr das Vertrauen ausgesprochen und damit das Sagen im Lande überantwortet. Wenn es von medialer Seite nunmehr heißt, nach der Rückkehr der Kärntner Freiheitlichen unter das Dach der Bundes-FPÖ habe sich das freiheitliche Lager in Kärnten dreifach gespalten und kein Mensch kenne sich mehr aus, wer wohin gehöre, so entspricht das eher einem Wunschdenken der Gegner des Dritten Lagers. Das, was es neben den Kärntner Freiheitlichen noch gibt, nämlich die kleine authentische Landesgruppe der FPÖ und das nunmehr neu gegründete Kärntner BZÖ sind nämlich bei nüchterner Betrachtung vernachlässigbare Größen.

Ein glückloser Gastronom und ein larmoyanter Lebensmensch können zwar zum gegenwärtigen Zeitpunkt die medial geschürte Verwirrung nützen und einigen Wind erzeugen, als Erben Jörg Haiders in Kärnten werden sie sich aber nicht festsetzen können – allenfalls in Hinblick auf dessen ideologische Beliebigkeit. Jene Formalien, die gegenwärtig noch dazu führen, dass im einen oder anderen Kärntner Gemeinderat weiterhin BZÖ-Mandatare sitzen werden, regelt sich spätestens bei kommenden Kommunalwahlen. Und entgegen allen demoskopischen Momentaufnahmen, die von missgünstigen Medien zwecks Spaltung des Dritten Lagers mittels manipulativer Fragestellungen hochgespielt werden, wird dieses Kärntner BZÖ bei Landtags- oder Nationalratswahlen nicht die geringste Chance haben.

Anders verhält es sich bei der authentischen Kärntner FPÖ, die Insiderberichten zufolge zwar nur über gut 200 wirkliche Mitglieder verfügt, in deren Reihen aber die wirklich Treuen verblieben, als Haider vor fünf Jahren die Partei spaltete. Gerade diese Getreuen aber – genannt sei hier der Kopf des legendären Huber-Clans Kriemhild Trattnig – sehen die Sinnhaftigkeit einer Einigung des Dritten Lagers für Kärnten durchaus ein. Den Beleidigten mimt eher der erst jüngst gekürte Landesparteiobmann, der sein Nationalratsmandat allerdings nicht den eigenen politischen Erfolgen, sondern der Gunst der FPÖ-Bundesliste verdankt. Nun mag er zwar kurzfristig Verwirrung im authentischen freiheitlichen Lager nutzen, um hinter den Kulissen Anti-Scheuch-Emotionen zu schüren, selbstverständlich aber wird sich bei entsprechend fairen Verhandlungen diese Kärntner FPÖ-Landesgruppe spätestens bis zu den nächsten Landtagswahlen mit den Kärntner Freiheitlichen zu einer neuen geeinten Landesgruppe zusammen finden. Daran besteht nicht der geringste Zweifel. Wie weit aber diese authentische FPÖ sich personell und insbesondere programmatisch und sachpolitisch dann in dieser geeinten Landesgruppe wiederfinden wird, das ist eine andere Frage. Es mehren sich ja die Anzeichen, dass die Scheuchs und Gerhard Dörfler mit der Wiedervereinigung nicht nur den Haider‘schen Irrweg der Spaltung des Jahres 2005 korrigieren wollen, sondern sich auch inhaltlich zunehmend von der Brot-und-Spiele-Politik Haiders abwenden. Dass Kärnten aufgrund seiner desolaten Wirtschaftslage sparen muss, hat sich ja allenthalben herum gesprochen. Und wenn dann der Landeshauptmann verlauten lässt, dass man überdenken müsse, ob der eine oder andere Groß-Event der Haider-Ära noch vertretbar und finanzierbar sei, ist das schon ein gutes Zeichen.

Alles in allem wird es beim Wunschdenken der Gegner des freiheitlichen Lagers bleiben und dürfte sich die so heftig erhoffte Zersplitterung desselben spätestens bis zu kommenden Wahlgängen durch eine neue Einigkeit und einen entsprechenden Wiedergewinn von Glaubwürdigkeit auch in neuer Stärke manifestieren. Das ist naturgemäß das Kalkül Straches und der Scheuchs. Es ist darüber hinaus aber auch die Ansicht der meisten ernst zu nehmenden politischen Analytiker, die sehr wohl wissen, dass die wiedervereinte FPÖ nun durch ein gemeinsames bundesweites Auftreten an Kraft und Wählerzustimmung gewinnen wird. Die gegenwärtigen Turbulenzen dürften da bald überwunden sein.

Eine Antwort zu Dreifaches Drittes Lager?

  1. Hartung sagt:

    NAja, die Umfrageergebnisse deuten schon auf eine Dreierspaltung: http://derstandard.at/1263706369598/Kaernten-Orange-liegen-in-Umfrage-vor-FPK

    Wobei ich auch zugeben muss, dass ich Umfragen nicht immer besonders vertraue. Siehe die Prognosen vor der letzten Kärnten-Wahl, wo die SPÖ angeblich mit dem BZÖ gleichauf lag…

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: